Drehleitermaschinisten-Pilotlehrgang

In der Feuerwehrzentrale Gunzenhausen fand der erste Standortlehrgang für Drehleitermaschinisten im gesamten Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen statt. Dabei absolvierten sechs Feuerwehrleute in einem straffen Zeitplan an vier abendfüllenden Veranstaltungen und drei Samstagen das gleiche Unterrichtsprogramm wie die Lehrgangsteilnehmer an den Staatlichen Feuerwehrschulen.

Lehrgangsleiter Uwe Jäger, Zugführer und Maschinistenausbilder bei der Freiwilligen Feuerwehr Gunzenhausen, konnte seinen Kollegen neben den Inhalten des Rahmenausbildungsplanes eine Menge guter Ratschläge und Praxistipps aus seiner Einsatzerfahrung mit auf den Weg geben. Tatkräftig unterstützt wurde er vom stellvertretenden Kommandanten Joachim Seltmann, der bereits auf dem Vorgängerfahrzeug des aktuellen Hubrettungsgerätes unzählige Übungs- und Einsatzstunden ableistete.

Im Verlauf der Ausbildung erlebten die Teilnehmer hautnah die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und vor allem auch die Einsatzgrenzen dieses Paraderettungsgerätes der Feuerwehren. Als sehr angenehm und als großen Vorteil empfanden sie dabei den Umstand, alle Handgriffe am eigenen Fahrzeug zu erlernen. Dies unterstreicht auch Uwe Jäger: „Der Drehleiterlehrgang ist nur der erste Schritt zu einem sicheren Umgang mit dem Gerät. Unabdingbar ist die Einweisung und fortlaufende Übung mit dem eigenen Fahrzeug am Standort.“ Die Sicherheitseinrichtungen und Belastungsgrenzen erprobten die Feuerwehrleute in einer ganzen Reihe eindrucksvoller Einsatzübungen und anspruchsvoller Aufgabenstellungen. Kernthemen waren die Menschenrettung über Korb und Leiter, die Brandbekämpfung aus größerer Höhe, der Löschangriff über den Leiterpark und die Sicherung der Rückzugswege von Atemschutztrupps im Innenangriff. Dabei stand zu jeder Zeit die sichere, schnelle und effiziente Bedienung der Drehleiter im Mittelpunkt. Beeindruckt erfuhren die „Jungmaschinisten“, die als Lehrgangsvoraussetzung sowohl die nötige Fahrerlaubnisklasse als auch einen Lehrgang zum Maschinisten für Löschfahrzeuge nachweisen mussten, wie stark sich die die Wahl des richtigen Fahrzeugaufstellortes auf den Betrieb des Leiterparks auswirkt. Im Einsatzfall geht es allzu oft um die sprichwörtlichen „letzten Zentimeter“ bei der Erreichung des Anleiterzieles. Bewährt hat sich dabei die kleine Zahl an Lehrgangsteilnehmern. Bewusst hatten sich die Verantwortlichen dafür entschieden, jedem Einzelnen genügend Übungszeit zur Gewöhnung an die Besonderheiten des Fahrzeuges und die neue Einsatztaktik zur Verfügung zu stellen. Im Rückblick ging diese Planung voll auf und spiegelte sich in der wachsenden Routine bereits während der Schulung.

Am Ende des Pilotlehrgangs nahmen Phillip Barthel, Stefan Brändlein, Christian Brunner, Christian Kirchmeyer, Andreas Seegmüller und Sven Seltmann sichtlich stolz das Lehrgangszeugnis aus den Händen von Kommandant Swen Müller und Kreisbrandinspektor Eduard Ott entgegen. Eduard Ott, der sich in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Prüfungskomitees beeindruckt von den sehr guten Leistungen in der theoretischen und praktischen Prüfung zeigte, hob in einer kurzen Ansprache die Bedeutung des Lehrganges hervor. „Die Standortschulungen in den verschiedensten Themenbereichen erfahren eine immer größere Bedeutung“, so Ott. „Neben der mittlerweile seit Jahrzehnten laufenden Truppmann-, Maschinisten- und Funkausbildung auf Landkreisebene ist vielleicht auch die selbständige Ausbildung der Drehleitermaschinisten wegweisend für unseren Landkreis.“ Seit Jahren beobachten die Feuerwehrführungskräfte mit Sorge einen Mangel an grundlegenden technischen Fachlehrgängen an den Feuerwehrschulen Würzburg, Regensburg und Geretsried. Kreisbrandrat Kastner hegt aber die Hoffnung, dass die kürzlich neu geschaffenen 40 Stellen im Bereich der Lehrkräfte an diesen Schulen wesentliche Verbesserungen in dieser Hinsicht bringen und sich die Lage damit merklich entspannt.

Eduard Ott und Swen Müller dankten den Ausbildern und den Lehrgangsteilnehmern für die Bereitschaft, den Lehrgang gemeinsam durchzuführen und wünschten den frischgebackenen Drehleitermaschinisten eine glückliche Hand bei ihrer neuen Tätigkeit und immer eine unfallfreie Rückkehr von Übungen und Ernstfällen.

Andreas Seegmüller


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